Mal anders: Misten und feilen statt pauken

Achtklässler aus der Loreleyschule absolvierten zwei Wochen lang Betriebspraktika in der Region

ST. GOARSHAUSEN. Mit einem Gerät, das der Landwirt Dieter Sauerwein mit einem Autoscooter vergleicht, reinigt Bastian Wolf die Gummimatten im Kuhstall. Der 13-Jährige steht auf dem mit Akkus betriebenen Maschinchen, das gleichmäßig die Exkremente der Tiere wegschiebt. Solche Arbeit ist wohl nicht jedermanns Sache, doch dem Schüler gefällt es auf dem Hof der Sauerweins.
"Besser als Schule", lacht der junge Lierschieder. Wie er haben jetzt knapp 50 Achtklässler der Loreleyschule zwei Wochen lang Praktika absolviert. Die Boxen der Rinder mit gemahlenem Stroh auszustreuen zählt ebenso zu den Aufgaben von Wolf. Wenig Gelegenheit zur Mitarbeit bietet für einen Schülerpraktikanten hingegen die Feldarbeit, obwohl gerade der Mais zu säen ist.
In der hoch technisierten Landwirtschaft sind einfache Helfertätigkeiten nicht mehr oft notwendig. So konzentriert sich der Jugendliche auf den Stall. Der Bezug zu Tieren hat Bastian Wolf erst gereizt, sein Praktikum bei einem Landwirt zu machen. Um Hamster und Katzen sorgt er sich zu Hause.
Großvieh steht hingegen bei der Familie Sauerwein aus der Bogeler Mühle im Mittelpunkt. Insgesamt 220 Stück Kühe und Jungrinder gehören zum Betrieb, die meisten davon stehen in einem Stall auf der Höhe bei Auel. Der Praktikant kann sich durchaus vorstellen, in solch einem Umfeld sein Berufsleben zu bestreiten - auch wenn er nicht auf einem Hof groß geworden ist.
Dieter Sauerwein sieht darin ebenfalls kein Problem: "Unsere Lehrlinge kamen bislang nie aus der Landwirtschaft, sondern waren Überzeugungstäter. Reine Familienbetriebe wird es in Zukunft ohnehin nicht mehr geben." Die Arbeitszeiten schrecken Bastian Wolf übrigens ebenso wenig. "Ich bin Frühaufsteher", erklärt er.
Von 9 Uhr bis 18 Uhr stand Aileen Kuttig aus Patersberg täglich im Augenoptiker-Geschäft von Armin Schmidt in St. Goarshausen. Sie kann sich gleichfalls vorstellen, dass aus ihrem Praktikum ein Ausbildungsberuf wird. Die Chancen bewertet der Meister generell als nicht schlecht: "Landesweit sind Kapazitäten frei."
Die Mittlere Reife und damit ein erfolgreiches zehntes Schuljahr auf der Heide seien jedoch "ein Muss". "Unsere derzeitige Auszubildende kam auch von der Loreleyschule", fährt Schmidt fort, und es freut ihn, dass Aileen Kuttig Mathematik als ihr spezielles Lieblingsfach bezeichnet. Physik und Chemie seien zudem wichtig.
"Ich habe mich bei anderen über den Beruf informiert", erzählt die 14-Jährige. Nun erlernt sie handwerkliche Fertigkeiten, die ein Augenoptiker benötigt. Kunststoff zurecht feilen oder Gläser schleifen stehen auf dem Programm. Allerdings handelt es sich um Übungsstücke: Für Kunden bestimmte Gläser wären einfach zu wertvoll für erste Versuche.
Thorsten Stötzer

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.