Ganztagsschule frühestens 2009

Loreley: Arbeitsgruppe soll Konzept entwickeln - Rektorin: Nehmen uns Zeit

Das Programm Ganztagsschule hat in Rheinland-Pfalz im Jahr 2001 begonnen. Seit vergangenem Sommer gibt es bereits 360 solcher Einrichtungen. Bis 2011 sind 200 weitere Umwandlungen landesweit vorgesehen, damit wären 35 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsschulen. Ziel der Landesregierung ist es, bis 2011 in jeder Verbandsgemeinde auf jeden Fall eine Grundschule zur Ganztagsschule zu machen.
St. GOARSHAUSEN-HEIDE. Eine unverbindliche Erhebung des Schulelternbeirats der Loreleyschule brachte es zutage. Eltern, deren Kinder die Grundschule besuchen, interessieren sich grundsätzlich für ein Ganztagsangebot der Einrichtung im St. Goarshausener Stadtteil Heide. Für die Regionalschule werden die erforderlichen Messzahlen derzeit noch nicht erreicht, fand der Beirat heraus.
Für Rektorin Linda Pfannschmidt und Konrektor Volker Bernhard sind das natürlich erste Anhaltspunkte für einen Trend, doch für sie ist ebenfalls klar: Das Lehrerkollegium muss ein schlüssiges Konzept vorlegen, um Eltern, Schulträger und Aufsichtsbehörden überzeugen zu können, dass es Sinn hat, die Regionale Schule mit integrierter Grundschule in eine Ganztagsschule umzuwandeln. "Wir werden den Eltern sicher nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Wir wollen auch keine Konkurrenz für die Hortangebote in der Umgebung schaffen, sondern den schulischen Charakter klar herausheben", sagt Pfannschmidt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bereits häufig diskutiert

Diskutiert wurde das Thema Ganztagsschule auch auf Schulträger-Ebene in den vergangenen Jahren häufig. Als die Hauptschule 2003 zur Regionalen Schule wurde, waren sich die Protagonisten allerdings einig, dass sich zunächst die neue Schulform etablieren soll, bevor das Gefüge wieder aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Nun wagten die Sozialdemokraten einen neuerlichen Vorstoß, das Thema auf die Tagesordnung zu bringen.
Für Pfannschmidt steht aber auch fest: Eine Schule wird nicht von einem auf den anderen Tag zur Ganztagseinrichtung. Die Rektorin erarbeitete bereits an anderen Schulstandorten Ganztagskonzepte und schätzt die Situation wie folgt ein: "Wir beginnen zum neuen Schuljahr mit der Arbeit an einem gemeinsamen Konzept für Grundschule und Regionale Schule. Es ist ein langes Verfahren, und wir wollen uns die Zeit nehmen herauszufinden, was hier möglich ist."
Sie macht deutlich, dass ein Ganztagsangebot frühestens 2009 realisiert werden kann. "Anträge müssen bis November vorliegen, um im folgenden Schuljahr berücksichtigt zu werden." Das bedeutet, dass das Ganztagskonzept der Loreleyschule im November 2008 vom Ministerium bewertet werden könnte. Damit aus Mainz grünes Licht für die Umsetzung kommt, müssen außerdem 36 Erziehungsberechtigte von Grundschülern und 54 von Schülern der Regionalen Schule zugestimmt haben, ihr Kind für ein Jahr fest für den Ganztagsunterricht anzumelden. Das sind die Bedingungen. "Die Umsetzung ist flexibel. Sie kann auch zunächst nur für eine der beiden Schulen erfolgen", erklärt Pfannschmidt.
Ein weiterer Grund, den Prozess zur Ganztagsschule mit Bedacht anzugehen, ist die derzeitige Sanierung der Loreleyschule. Beispiel Mittagessen: "Eine eigene Küche einzurichten, lohnt sich nicht. Wir würden wohl mit einem Caterer arbeiten, der das Essen anliefert. Es gibt in dieser Richtung einen funktionierenden Markt. Wir bräuchten allerdings eine Cafeteria, und in diesem Punkt müssen wir uns erst mit dem Schulträger auseinandersetzen, der ja gerade die Schule aufwendig saniert." Es kommt also neben dem normalen Schulbetrieb eine Menge Arbeit auf das Kollegium zu. Gebildet werden soll eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Lehrern, Eltern und auch Schülervertretern, die den Ist-Zustand analysiert und ein Verfahren für die Zukunft entwickelt.
Entscheidend ist für die Rektorin dabei die Frage: "Wie lösen wir die Hausaufgabenbetreuung? Das wird ein Knackpunkt werden, denn die Schüler, die nicht am Nachmittagsunterricht teilnehmen, dürfen keinen Nachteil erleiden." Im Lehrerkollegium würde also mehr als je zuvor die Arbeit im Team in den Vordergrund rücken. Vormittags- und Nachmittagskräfte müssten sich ergänzen.

Es wird einiges erwartet

Pfannschmidt macht deutlich, dass sie von ihrem Kollegium einiges erwartet: "Kein Lehrer hat im Vertrag stehen, dass um 13 Uhr Schluss ist." Sie betont allerdings auch, dass die Einführung einer Ganztagsschule ohne den Willen des Kollegiums keinen Sinn hat.
Ganz alleine an den Lehrern, die nach Einschätzung Pfannschmidts hinter dem Projekt stehen, wird die Verantwortung jedoch nicht hängen bleiben. Mischformen der Betreuung sind möglich. Leistungen einzukaufen, beispielsweise Verantwortliche aus Sportvereinen zu gewinnen, erhöht zudem den Reiz einer Ganztagsschule. Auf Studenten zurückzugreifen, dürfte da nach Ansicht Pfannschmidts aufgrund der ländlichen Strukturen schwerer werden.
Einen großen Vorteil hat die Loreleyschule hingegen jetzt schon: das Umfeld. Würde es auch nicht ganz einfach werden, organisatorische Probleme zu lösen, sind die räumlichen Voraussetzungen nach Ansicht des Rektorenteams auf der Loreley vollauf gegeben. Viel Wald, ein Sportplatz und ein Hallenbad - das schafft Abwechslung, lässt Flexibilität im Nachmittagsprogramm zu, entzerrt die Gruppen.

Freiwilligkeit birgt Probleme

Pfannschmidt und Bernhard wollen mit Programm überzeugen

Für Linda Pfannschmidt ist die Einrichtung einer freiwilligen Ganztagsschule, wie sie derzeit angeboten wird, nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Ziel. Aus pädagogischer Sicht kann das System ihrer Ansicht nach nur 100-prozentig funktionieren, wenn es zur Pflicht wird. Nur so könne dem Problem entgegengewirkt werden, dass sich Kinder, die am Ganztagsprogramm teilnehmen, anders entwickeln, als die, die um 13 Uhr das Gebäude verlassen. "Bis dahin müssen wir den Eltern zeigen, dass wir mit unserem Konzept mehr zu bieten haben als nur eine stumpfe Betreuung. Wir müssen überzeugen, damit möglichst viele Kinder kommen und länger als nur das erste Jahr das Ganztagsangebot annehmen." Konrektor Volker Bernhard fügt hinzu: "Die Schule ist längst ein Dienstleistungsbetrieb geworden." Gerade die Schüler sollen für das Projekt gewonnen werden. "Kinder, die verdonnert werden, den ganzen Tag an der Schule zu bleiben, werden auch irgendwann wieder abgemeldet." Es komme auch viel darauf an, wie die Eltern, die Idee Ganztagsschule ihren Kindern vermitteln.
Markus Wakulat

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.