Berufsabend jetzt Pflicht

25 Betriebe haben sich den Klassen sieben bis neun der Loreleyschule beim Infoabend vorgestellt. Und dieses Mal hatten die Praktiker auch genügend Zuhörer, denn nachdem das Interesse der Jugendlichen in den vergangenen Jahren freiwillig zu kommen etwas nachgelassen hatte, wurde die Veranstaltung erstmals zum Pflichttermin für die Schüler.
ST. GOARSHAUSEN-HEIDE. "Fragen wir doch mal andersrum: Was erwartet ihr von dem Beruf?", will Dr. Sibylle Pfeiffer von den fünf Mädchen wissen, die vor ihr sitzen. Die Zahnärztin ist in die Loreleyschule gekommen, um den Ausbildungsberuf der Zahnarzthelferin nahe zu bringen. "Ich möchte gerne mit Menschen umgehen", antwortet eine Schülerin. "Betriebe der Region stellen sich vor" heißt das Motto der Veranstaltung, die nach bekanntem Konzept abläuft. Jeweils eine knappe halbe Stunde haben die Schüler der Klassen sieben bis neun Zeit, um sich bei einem Praktiker zu informieren. Dann wird zu einem anderen Referenten gewechselt. Mindestens drei Berufe lernen sie so an einem Abend kennen.
25 Betriebe, Behörden und Institutionen präsentieren sich. Das Angebot ist wie gewohnt weit gestreut. Soziale Berufe haben nach vielfachem Wunsch einen größeren Stellenwert erhalten, berichtet Schulleiterin Linda Pfannschmidt. Erstmals hat die Schule zudem die Jugendlichen verpflichtet, am Berufsinformationstag teilzunehmen.
Zwang zur Veränderung
Manche Schüler hätten es "nicht für nötig gehalten" zu erscheinen, erläutert Pfannschmidt, die Betriebe seien angesichts ausbleibender Zuhörer zurecht enttäuscht gewesen. Es folgte der Zwang und organisatorische Änderungen. Zum einen verkehren Busse an diesem Abend und zum anderen steht Vor- und Nachbereitung für die Regionalschüler auf dem Plan. So erklärt es sich, dass die Schüler eifrig Notizen machen. Bei Dr. Sibylle Pfeiffer erfahren sie beispielsweise noch, dass Zahnarzthelferin ein "handwerklicher Beruf ist". Kenntnisse in der Textverarbeitung, Teamfähigkeit seien weiterhin wichtig, ebenso wie die Fähigkeit "Blut sehen zu können".
Viel Umgang mit Menschen
Auch der Wunsch nach dem Umgang mit Menschen erfülle sich. "Unterschiedliche Leute machen den Beruf interessant", findet Pfeiffer. Eine Zahnarzthelferin solle daher in der Lage sein, mit einem studierten Rechtsanwalt genauso ein Gespräch führen zu können wie mit einem Kind oder einem behinderten Menschen.
Das Interesse an der Tätigkeit gilt dazu als grundlegende Bedingung. In dieser Hinsicht gleichen sich die Worte der Ausbilder über die Branchen hinweg. Jeder müsse "gewillt sein, den Beruf zu erlernen", macht Helmut Hamm vom gleichnamigen Bauunternehmen aus Dahlheim klar. Bei ihm geht es um Bitumen und Schalarbeiten und nicht um Füllungen und Stuhlassistenz wie bei Pfeiffer.
Zwei Jungs hören ihm in der ersten Runde zu, was es über die Lehrberufe Maurer und Straßenbauer zu erzählen gibt. Unausweichlich ist die Frage nach dem nötigen Schulabschluss. Ein Hauptschulabschluss genüge, beruhigt Hamm. Drei Auszubildende beschäftigt er momentan, zwei davon hat er bislang kaum zu Gesicht gekriegt.
Nicht dass die jungen Leute ständig fehlten oder krank seien. Sie verbringen laut Ausbildungsordnung im ersten Lehrjahr die wenigste Zeit im Betrieb, nämlich nur 65 Tage. Viel häufiger besuchen sie das Bauzentrum der Handwerkskammer in Koblenz und die Berufsschule in Lahnstein. Die Schüler notieren es für ihre Unterlagen und ziehen weiter zum nächsten Chef, der an diesem Tag auf der Heide sein Fach vorstellt.
Thorsten Stötzer

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.